Bakterienbrand der Kirsche
Entwarnung- kein Feuerbrand

Diesjährig sind verbreitet Schäden an Obstbäumen zu beobachten. Vor allem Kirschbäume sind betroffen.
Die Schädigung zeigt sich an der Rinde als Aufrisse, welche in der Regel stark harzen.
An schwächeren Trieben ist eine Verbräunung und Verdorren der Blätter und ein Absterben der Triebe zu beobachten.
An den Blättern, vor allem jenen im Aussenbereich der Krone sind in Verbindung mit dem oben genannten Schadbild oft Löcher in der Blattfläche vorzufinden.
Diese entstehen indem flächig Blattgewebe verbraeunt und dann abstirbt.
Das abgestorbene Gewebe wird von einem gelblichen Ring bzw. "Hof" umgeben, welcher ein Unterscheidungsmerkmal zur sogenannten "Schrottschuss- Krankheit" ist (diese mit braunen bzw. rötlichen Rändern).
Die vorgenannten Schadbilder werden vom Bakterium Pseudomonas syringae pv. morsprunorum hervorgerufen und sind als "Bakterienbrand der Kirsche" bekannt.
Bakterien der Gattung Pseudomonas treten als Krankheitserreger an vielen Pflanzen auf, so z. B. an Rosskastanien, Ahorn und Flieder, aber auch an Getreidearten, Erbsen und Rüben. Dabei ist die Art Pseudomonas syringae in einzelnen Staemmen, sogenannten "Pathovaren" spezifisch an die einzelnen Wirtspflanzen angepasst.
Im Falle der Erkrankung der Kirsche dringt der Erreger über die Blattnarben, welche beim herbstlichen Laubfall entstehen, in die Triebe ein.
Auch die Narben der abfallenden Blütenblätter im Frühjahr sind eine Eintrittspforte für den Schaderreger.
Ebenso ist ein Eintritt in staerkere Ast- und Stammteile über Verletzungen, z. B. Frostrisse oder Schnittwunden bekannt.
Ende Mai bis Anfang Juni stirbt das Bakterium im Holzkörper ab und ist dann dort nicht mehr nachweisbar.
Die Infektion springt dann von dort auf die Blätter über und führt dort zu den oben dargestellten Durchlöcherungen.
Auch die Früchte können in Form von braunen bis schwarzen Nekrosen betroffen sein, was zu einer Entwertung der Selben und zum Ausfall der Ernte führt.
Zum Blattfall erfolgt über die Blattnarben eine Re- Infektion in das Holz der Triebe.
Auch hierbei wirkt kühles regnerisches Wetter begünstigend.
Der Erreger überwintert dann im Holz der Äste und Triebe und ruft im nächsten Frühjahr einen neuen Schadenszyklus hervor.
Eine kalte und nasse Witterung im Frühjahr begünstigt die erneute Infektion sehr.
Als Gegenmaßnahme zur Eindämmung des Befalles können während des Blattfalles kupferhaltige Pflanzenschutzmittel auf die Baumkrone ausgebracht werden.
Bei guter Vitalität und günstiger, trockener Witterung ist das baumeigene Immunsystem selbst in der Lage den Erreger einzudämmen.
Sind die Bäume stärker oder mehrjährig dauerhaft geschädigt ist das ausschneiden kranker Äste als unterstützende Maßnahme sinnvoll.
Schnittmaßnahmen sollten generell nur bei trockenem Wetter erfolgen.
Der optimale Schnittzeitpunkt ist abhängig von vielen Faktoren wie dem Grad der Schädigung, der Groesse der entstehenden Schnittwunden, der Groesse und Vitalität des Baumes und der Witterung.
Ein Schnitt im Spätsommer begünstigt eine rasche Abschottung der Schnittwunden.
Durch Entnahme von aktiver Blattmasse wird jedoch auch die Vitalität des Baumes zusätzlich geschwächt. Bei Regen oder Gewitter kann auch eine erneute Infektion der Schnittwunden erfolgen.
Bei einem Schnitt im Winter, bei trockenem Frost, ist der Erreger inaktiv und kann nicht übertragen werden. Der Schnitt ausserhalb der Vegetationszeit bleibt zudem ohne unmittelbaren Einfluss auf die Vitalität. Die im Winter in Wurzel und Stamm gespeicherten Reserven stehen im Frühjahr für einen kräftigen Austrieb zur Verfügung.
Allerdings ist auch die baumeigene Wundabschottung im Winter nicht aktiv und die Schnittwunden stehen bis zum Einsetzen der neuen Vegetationsperiode für Schaderreger offen.
Für die Beurteilung der Notwendigkeit und Chancen eines Säuberungsschnittes und die Festlegung des optimalen Schnittzeitpunktes ist die Beratung durch einen Fachmann zu empfehlen.

Derzeit zeigen viele der durch uns untersuchten Bäume einen frischen Triebansatz (sogenannter "Johannistrieb").
Bei günstiger, trockener Witterung ist daher an vielen Bäumen eine Stabilisierung der Vitalität und längerfristig ein Überwinden der diesjährigen Schädigung zu erwarten.
Das Fällen der Bäume wäre voreilig und ist auch aus seuchenhygienischer Sicht nicht notwendig.
In allen Fällen der von uns in Augenschein genommenen Bäume war das Befallsbild des Bakterienbrandes zu verzeichnen.
Ein Befall mit der meldepflichtigen und seuchenhygienisch bedenklichen Krankheit Feuerbrand (Erwinia amylovora) konnte von uns an keinem der untersuchten Kirschbäume festgestellt werden.

Detailansicht: Harzfluss an infektiösen Wunden

Detailansicht: Nekrosen der Blätter sind Auslöser der späteren Durchlöcherungen





